"Seid Menschen"
Die Gedenklesung, moderiert von Uwe von der Gracht, war in drei Teile gegliedert, um den Lebensweg Margot Friedländers nachzuvollziehen.
Antje Knust hat aus Texten und Erinnerungen aus der Zeit vor der Verhaftung durch die Gestapo gelesen. Diese Passagen geben Einblick in das Leben einer jungen jüdischen Frau im nationalsozialistischen Berlin, in Angst, Verfolgung und den Versuch, zu überleben.
Petra Vaal folgte mit Texten aus der Zeit der Inhaftierung im Konzentrationslager Theresienstadt. Sie machen das Leid, aber auch die innere Stärke und den ungebrochenen Lebenswillen Margot Friedländers spürbar.
Christiane Harbort-Ring stellte im dritten Teil Texte aus der Zeit nach der Rückkehr nach Berlin vor. Es sind Zeugnisse eines bewussten Neubeginns, des Dialogs und des unermüdlichen Engagements für Erinnerung, Aufklärung und Versöhnung.
Margot Friedländers Worte wirken bis heute. Sie berichtete nicht nur vom Grauen der Vergangenheit, sondern betonte immer wieder, dass es keine kollektive Schuld gebe, wohl aber eine gemeinsame Verantwortung für Gegenwart und Zukunft.
Uwe von der Gracht trug zum Ende eines der bekanntesten Zitate von Margot Friedländer vor:
„Es gibt kein jüdisches, kein muslemisches und kein christliches Blut.
Es gibt nur menschliches Blut.
Drum sei Mensch!“
Dr. Jean Goldenbaum sorgte mit Gitarrenstücken und Gesang für einen besonders besinnlichen Rahmen. Er beendete den offiziellen Teil der Gedenklesung mit dem Lied „Schalom aleichem“, mit dem traditionell die jüdische Schabbatfeier am Freitagabend zu Hause beginnt.
Die Veranstalter vom Bündnis „Holzminden ist bunt“ und dem Ev. Familienzentrum Delligsen freuten sich über rund 80 Zuhörende aus Delligsen und der Region. Darunter auch etliche junge Einwohnerinnen und Einwohner sowie Pfarrer Bernd Kuchmetzki und Andreas von Einem - geschäftsführender Pfarrer des Pfarrverbandes am Hils.
Viele Zuhörende und die Vortragenden blieben noch einige Zeit im Familienzentrum und führten dort miteinander gute Gespräche.
Margot Friedländer
Margot Friedländer wurde am 5. November 1921 in Berlin geboren, überlebte das KZ Theresienstadt, verlor Vater, Mutter und Bruder im Holocaust. Seit 2010 wohnte sie, bis zu ihrem Ableben am 9. Mai 2025 im 104. Lebensjahr, wieder in ihrer Geburtsstadt Berlin. Margot Friedländer besuchte bis zu dreimal wöchentlich Schulen und andere Einrichtungen in ganz Deutschland, um über ihr Leben zu berichten.
(Text: Klaus Bollmann und Carsten Schillert, Foto: Klaus Biemelt)